Kai Dolgner

Ihr Abgeordneter für den Wahlkreis Rendsburg

28. September 2010

Aus dem Parlament
Neues aus der Anstalt

Nicht freigegeben unter 18 Jahren
Nicht freigegeben unter 18 Jahren | Foto: Bastian Greshake - CC BY-SA 2.0

Die meis­ten wer­den das Gefühl ken­nen: Bei Din­gen, die einem zunächst absurd oder abwe­gig erschei­nen, nimmt man an, dass es ganz tol­le Erklä­run­gen gibt, die man nur noch nicht kennt. Je län­ger ich mich mit der Novel­lie­rung des Jugend­me­di­en­schutz­ver­tra­ges beschäf­tig­te, des­to mehr Fra­gen stell­ten sich mir, wie: Sen­de­zei­ten im Inter­net ‑ mei­nen die das Ernst?

Goog­le-cache oder archive.org müs­sen die Ver­fas­ser doch wohl ken­nen? Was ist mit Echt­zeit­kom­mu­ni­ka­ti­on, gibt es dazu plau­si­ble Ansät­ze? Immer­hin gibt es den Inter­net Relay Chat in der der­zei­ti­gen Form schon seit 14 Jah­ren. Ganz zu schwei­gen von dezen­tra­len Struk­tu­ren, die wie beim Fre­e­n­et sogar ver­schlüs­selt sind. Aber ver­mut­lich war ich ja nur zu igno­rant und auf die­se und wei­te­re Fra­gen gäbe es plau­si­ble Ant­wor­ten sei­tens der Befür­wor­ter.

Spä­tes­tens aber, als ich dem Ver­tre­ter der Frei­wil­li­gen Selbst­kon­trol­le Mul­ti­me­dia-Diens­te­an­bie­ter, die sich für Fil­ter­pro­gram­me stark macht und mit ihrer prak­ti­schen Erfah­rung wirbt, erklä­ren muss­te, was IP-spoo­fing ist, geriet die­se Hoff­nung stark ins Wan­ken. Die Details der Anhö­rung haben ande­re bereits geblogt (z. B. bei netzpolitik.org) des­halb erspa­re ich mir die zum Teil unfrei­wil­lig komi­schen Aus­füh­run­gen wie „Jugend­schutz­pro­gram­me sind das bes­te Mit­tel für Medi­en­kom­pe­tenz“ (BITKOM). Als dann auch noch die Befür­wor­ter ziem­lich selbst­ver­ständ­lich davon aus­gin­gen, dass wir einen Staats­ver­trag beschlie­ßen sol­len, der den Ein­satz von Fil­ter­pro­gram­men beinhal­tet, deren Wirk­sam­keit nicht nur mehr als zwei­fel­haft ist, son­dern die auch noch nicht mal exis­tie­ren, ver­spür­te ich den drin­gen­den Wunsch nach psych­ia­tri­scher Bera­tung. Das dürf­te das ers­te Mal in der Geschich­te sein, dass Vapor­wa­re es bis in einen Staats­ver­trag schafft und den Eltern eine fal­sche Sicher­heit vor­gau­kelt.

An Stär­kung der Medi­en­kom­pe­tenz von Kin­dern und Jugend­li­chen und an der Ver­ant­wor­tung der Erzie­hungs­be­rech­tig­ten führt nun mal kein (tech­ni­scher) Weg vor­bei.

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