Neues aus der Anstalt

Nicht freigegeben unter 18 Jahren

Die meisten werden das Gefühl kennen: Bei Dingen, die einem zunächst absurd oder abwegig erscheinen, nimmt man an, dass es ganz tolle Erklärungen gibt, die man nur noch nicht kennt. Je länger ich mich mit der Novellierung des Jugendmedienschutzvertrages beschäftigte, desto mehr Fragen stellten sich mir, wie: Sendezeiten im Internet ‑ meinen die das Ernst?

Google-cache oder archive.org müssen die Verfasser doch wohl kennen? Was ist mit Echtzeitkommunikation, gibt es dazu plausible Ansätze? Immerhin gibt es den Internet Relay Chat in der derzeitigen Form schon seit 14 Jahren. Ganz zu schweigen von dezentralen Strukturen, die wie beim Freenet sogar verschlüsselt sind. Aber vermutlich war ich ja nur zu ignorant und auf diese und weitere Fragen gäbe es plausible Antworten seitens der Befürworter.

Spätestens aber, als ich dem Vertreter der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter, die sich für Filterprogramme stark macht und mit ihrer praktischen Erfahrung wirbt, erklären musste, was IP-spoofing ist, geriet diese Hoffnung stark ins Wanken. Die Details der Anhörung haben andere bereits geblogt (z. B. bei netzpolitik.org) deshalb erspare ich mir die zum Teil unfreiwillig komischen Ausführungen wie „Jugendschutzprogramme sind das beste Mittel für Medienkompetenz“ (BITKOM). Als dann auch noch die Befürworter ziemlich selbstverständlich davon ausgingen, dass wir einen Staatsvertrag beschließen sollen, der den Einsatz von Filterprogrammen beinhaltet, deren Wirksamkeit nicht nur mehr als zweifelhaft ist, sondern die auch noch nicht mal existieren, verspürte ich den dringenden Wunsch nach psychiatrischer Beratung. Das dürfte das erste Mal in der Geschichte sein, dass Vaporware es bis in einen Staatsvertrag schafft und den Eltern eine falsche Sicherheit vorgaukelt.

An Stärkung der Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen und an der Verantwortung der Erziehungsberechtigten führt nun mal kein (technischer) Weg vorbei.

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